Gründung Plattform Krisenintervention / Akutbetreuung NÖ

Am 11. März fand im Landhaus in St. Pölten eine Pressekonferenz zur Gründung Plattform Krisenintervention / Akutbetreuung NÖ statt. Auch unser Feuerwehrkurat Mag. Andreas Lisson nahm daran teil.

Die neu gegründete „Plattform Krisenintervention NÖ“ ist übrigens einzigartig in Europa (!) und übernimmt damit eine Vorreiterrolle!

Gründung Plattform Krisenintervention / Akutbetreuung NÖ

Die unzureichende Versorgung traumatisierter Personen bei plötzlichen Todesfällen oder Opfer bei Großschadensereignissen und Katastrophen der vergangenen Jahre haben die damit konfrontierten Helfer und Berufsgruppen handeln lassen. Es entstanden unterschiedliche Angebote der psychischen Ersten Hilfe. Jede einzelne Organisation hat in den vergangenen Jahren viel in die Ausbildung der Mitarbeiter und der Abläufe des Einsatzes investiert.

Die Vernetzung der verschiedenen, in Niederösterreich existierenden, mobilen Betreuungsstrukturen, soll durch die Gründung der Plattform Krisenintervention Niederösterreich intensiviert werden. Durch regelmäßige interdisziplinäre Treffen, Austausch bei Fortbildungen, die gemeinsame Qualitätssicherung und eine enge Zusammenarbeit bei den Einsätzen werden die Ressourcen aller Organisationen für die Unterstützung Betroffener bestmöglich genutzt.

Mitglieder:

  • Ökumenische Notfallseelsorge (von katholischer und evangelischer Kirche getragen)
  • Psychosoziales Akutteam NÖ
  • Krisenintervention des Österreichischen Roten Kreuzes LV NÖ
  • Krisenintervention des Arbeitersamariterbunds Österreich LV NÖ

Niederösterreich ist somit das erste Bundesland welches, nach den guten Erfahrungen dieser Plattform auf Bundesebene, dies nun auch im eigenen Bereich umsetzt. Diese Einzigartigkeit bietet viele Vorteile vor allem für die Betroffenen. Statt neben- oder gar gegeneinander arbeiten die Kriseninterventionsteams gemeinsam, um so einheitlich hohe Versorgungsqualität in NÖ bieten zu können, aber auch effizienten Einsatz am Bürger selbst zu gewährleisten. Unkoordiniert könnten Probleme wie eine Überversorgung oder gar eine fehlende Betreuung von traumatisierten Personen auftreten. zB:

  • Drei verschiedene Organisationen entsenden Betreuungsteams zum gleichen Einsatzort
  • Niemand kommt zum Einsatzort, da angenommen werden könnte, dass der andere sich darum kümmern würde.

In NÖ ist diese Plattform noch weiter entwickelt worden, da auch eine starke operative Komponente positive Effekte bringt. Durch die außerordentliche Mitgliedschaft in dieser Plattform der Abteilung für Katastrophenschutz des Landes NÖ (IVW4) und durch die organisationsübergreifende Alarmierung durch 144 NOTRUF NÖ auf höchstem technischem Standard, können auf kurzem Wege die Einbindung in die Katastrophenhilfelandschaft NÖ und die zielgerichtete Koordination der Hilfeangebote bewerkstelligt werden.

Durch die einfache Alarmierung über eine Nummer – 144 – ist die Anforderung einer Akutbetreuung nahezu für jeden möglich. Voraussetzung ist natürlich der Betreuungswunsch der jeweiligen Person, die nach einem genau vorgegebenen Ablauf schon beim Anruf geprüft wird. Dies erhöht zusätzlich die Treffsicherheit bei den Hilfsbedürftigen. Durch die Vernetzung beim Einsatz kann die sofortige Akutbetreuung beispielsweise schon während des Notfallrettungseinsatzes durch die ausgebildeten Laienhelfer der Kriseninterventionsteams der Notfallseelsorge, des Roten Kreuzes oder des ASBÖ beginnen und nachgelagert in eine erweiterte Betreuung durch Fachkräfte nahtlos übergehen. In besonders kritischen Fällen erfolgt natürlich eine gemeinsame, abgestimmte Betreuung.

Einsatzzahlen 2009

  • > 1.500 Interventionen aller Organisationen
  • 11 Einsätze am stärksten Tag, dem 19. November 2009
  • 42 Einsätze in der stärksten Woche (vorletzte Novemberwoche 2009)

Kumuliert bedeutet dies mehr vier Einsätze pro Tag für die Kriseninterventionsmitarbeiter, welche ihren Dienst freiwillig und unentgeltlich leisten. Das Land NÖ leistet mit der Finanzierung des AKUTteam NÖ einen wichtigen Beitrag für rasche psychosoziale Unterstützung durch Fachkräfte und ermöglicht dadurch die kompetente Weitervermittlung in die Einrichtungen der längerfristigen Versorgung wenn erforderlich. Daher können alle diese Angebote kostenlos für die Betroffenen gehalten werden.

Haupteinsatzgebiete

Unterstützung und Betreuung in den ersten Stunden nach traumatischen Ereignissen wie

  • plötzliche Todesfälle
  • Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten
  • Betroffene von Gewaltdelikten
  • Angehörige nach Suiziden
  • Angehörige vermisster Personen
  • Begleitung der Exekutive bei Ãœberbringung von Todesnachrichten
  • Akute Krisen – Suizidandrohungen

Im Anlassfall bieten die Notfallhelfer durch ihre Anwesenheit Unterstützung und Hilfe um die Zeit, in der sich die Betroffenen hilflos und handlungsunfähig dem Ereignis ausgeliefert fühlen zu verkürzen.

Anforderung erfolgt im Regelfall durch

  • Notfallrettung
  • Exekutive
  • Ärzte
  • Kliniken
  • Behörden

Aber auch Privatpersonen können über 144 die Hilfe der mobilen Krisenintervention anfordern.

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