MTFA – ein Fahrzeugtyp – zwei individuelle Lösungen

In der Regel ist ein Mannschaftstransportfahrzeug mit oder ohne Allrad (MTF/MTFA) ein 9-Sitzer mit maximal 3.5 to höchstzulässigem Gesamtgewicht.

Diese Fahrzeuge dienen meist zum Transport von Einsatzmannschaft und werden ab und an zu einem Kommandofahrzeug adaptiert.

links MTFA Glognitz, rechts MTFA Loipersbach


Laut Zusatzfeststellung MTF 2015 darf für ein Mannschaftstransportfahrzeug in Niederösterreich die höchstzulässige Gesamtmasse maximal 5.500 kg betragen. Ebenso kann die Darstellung in Form einer Doppelkabine mit Pritsche gewählt werden.
Die Besatzung kann zwischen sechs und sieben Personen variieren.

Diese Zusatzfeststellung erlaubte somit den Feuerwehren Loipersbach und Gloggnitz Stadt nicht nur ein Fahrzeug für den reinen Transport von neun Personen zu nutzen, sondern ermöglicht vielmehr den Einsatz eines universalen Fahrzeuges mit einer Besatzung 1:5 bzw. 1:6 sowie den Transport von weiteren Einsatzgeräten, um sogenannte Kleineinsätze abzuarbeiten. Ein Fahrzeug mit Ladebordwand mit fixer und notwendiger Beladung macht dieses Einsatzfahrzeug noch flexibler und effizienter.

In unserem Nachbarland Deutschland haben sich diesbezüglich sogenannte Logistik bzw. Gerätewägen bereits seit Jahren etabliert.

Generelle Überlegungen
· Allradfahrzeug (Gerade bei ungleichmäßige möglicher Beladung eine Notwendigkeit in unserem Einsatzgebiet)
· Alle Ausführungen auf Normgrößen von EURO-Paletten auslegen.
· Möglichkeit von Doppelpaletten
· Halterungen für Paletten und Hubwagen/Rodel
· Möglichkeit der 1-Mann-Bedienung sollte gegeben sein
· Rollcontainersystem
· Lenken mit B-Führerschein
· mehr als nur Transport von Personen
· kleine taktische Einheit die flexibel in den Einsatz gehen kann

Somit zeichnet sich beide Fahrzeug vor allem durch die flexiblen Einsatz und Belademöglichkeiten aus.

So können in kurzer Zeit Rollcontainer für die unterschiedlichsten Einsatzarten verladen werden. Das Einsatzspektrum ist vielfältig etwa nach Überschwemmungen mit Tauchpumpen, Ölsperren, Sandsäcke, Verkehrszeichen, Motorsägen – oder auch Transportdienste für Lebensmittel, Feldbetten oder Matratzen sind denkbar – die flexible Verwendungsmöglichkeit als Logistikfahrzeug war bei den Anschaffungsüberlegungen ein wichtiger Faktor.

Die Verwendung von Rollcontainern erlaubt eine effizientere Platznutzung sowohl im Fahrzeug wie auch im Feuerwehrhaus.

Sowohl in Gloggnitz als auch in Loipersbach hebt die Zepro Ladeboardwand 1.000 kg, die Zuladung beträgt ebenfalls 1.000 kg.

In Gloggnitz sind mehrere Rollcontainer in Planung bzw. bereits im Einsatz.
Zwei Rollcontainer Atemschutz mit Reserveflaschen, ein Container für Wassergebrechen mit Nasssauger und Pumpenmaterial,
ein Ölwehrcontainer und zwei Container für die umfangreiche Schadstoffausrüstung.

Auch die Loipersbacher Kameraden werden in Zukunft auf diverse Rollcontainer setzten.

Das MTFA in Gloggnitz beinhaltet die Variante der sogenannten selbstaufrollenden Plane. Die Seitenwand ist 600 mm hoch, hier ist auch wie auf der Stirnseite der Ladefläche eine Airlineschiene zum Befestigen der Container und anderer Transportmaterialien angebracht.

Da auf Ladesicherung großer Wert gelegt wird wurde umfangreiches Sicherungsmaterial angeschafft.

Beleuchtung
Die Umfeldbeleuchtung sowie die Beleuchtung in den Gerätekästen und auf der Ladefläche werden durch moderne LED-Leuchten umgesetzt. Die Ausstattung entspricht jener der Baurichtlinie für Mannschafts-transportfahrzeuge.

In Loipersbach ein ähnliches Bild.
Das Fahrzeug verfügt auf der Fahrerseite über eine Schiebeplane, um die Beladung mittels Stapler zu erleichtern. Auf der Beifahrerseite verfügt das Fahrzeug über eine Zugangstür, um rasch kleineres Material zu beladen.
Der Teil vor der Tür ist als nach oben ausklappbare Wand ausgeführt,
welche bei der Verwendung des Fahrzeuges beispielsweiße als Atemschutzsammelplatz einen Wetterschutz bietet.

Beide Fahrzeuge wurden in Wiener Neudorf bei Mercedes Benz Pappas Auto GmbH gekauft. Loipersbach wählte als Aufbauer die Fa. Weinknecht, jenes der Gloggnitzer Kameraden wurde in Weissenbach an der Triesting bei Hannes Kriessl aufgebaut. Die Planen wurden bei Plecher Planen in Wöllersdorf gefertigt. Bei den elektrischen Komponenten setzte man auf zwei verschiedene Lösungen, in Gloggnitz wurde auf die Technik der Firma Tritec in Neunkirchen gesetzt und diese auch dort verbaut, das Fahrzeug aus Loipersbach verfügt über Ausrüstung der Firma Hänsch, welche über HTTP zugekauft wurde.

Fahrzeugdaten
Gloggnitz
Mercedes-Benz Sprinter Fahrgestell Doppelkabine 519 CDI lang 4×4
Euro 6
Motorleistung: 140 kW (190 PS)
Radstand: 4325 mm
Allrad zuschaltbar mit Getriebeuntersetzung
Automatikgetrieben 7G-TRONIC Plus

Loipersbach
Bis auf den etwas kürzere Radstand (3665mm) wurde auf die nahezu idente Ausstattung gesetzt.

Die Rückfahrkamera kann im Gloggnitzer Fahrzeug auch ohne Einlegen des Retourganges in Betrieb genommen werden
und so die Vorgänge beim Be- und Entladen beobachtet werden.

Ein Hubwagen und eine Sackrodel komplettieren die Standardbeladung des MTFA in Gloggnitz. In Loipersbach wird diese Ausrüstung bei Bedarf verladen.

Beim Gloggnitzer Fahrzeug ist zwischen Fahrer und Beifahrersitz ein sogenannter „Aktiontower“ – wie man diesen auch bei anderen Einsatzfahrzeugen kennt – installiert.

Hier lagern Handlampen, div. Schreibutensilien udgl., da das Loipersbacher Fahrzeug über eine Doppelsitzbank verfügt, war diese Lösung hier nicht möglich. Unter der Sitzbank bzw. in den Unterbaukästen sind alle weiteren Ausrüstungsgegenstände wie Feuerlöscher, Erstehilferucksack etc. gelagert.

Sondersignale
Gloggnitz
Fa. Tritec
Warnbalken-LED XPERT-LP 4PRO-2PROM/4PF – mit integrieter Lautsprecherdurchsage
Integriertes Bedien-, Sirenen- und Leistungsmodulsystem EUROSMART Gen2.2 Version
im Kühlergrill verbaut zwei Blitzleuchte-LED mPOWER4
Für Einsätze speziell auf Verkehrsflächen (Semmeringschnellstraße S6 und Bundesstraßen B17 u. B27) Heckwarnsystem-LED HWS12-TWIN

Loipersbach
Fa. HTTP
Kennleuchten Comet LED
Tonfolgeanlage elektrisch mit Sprachdurchsage gemeinsam mit den Frontblitzern Sputnik im Kühlergrill verbaut.
Bedienteil HBE300
Heckblitzer, Bremslicht, Blinker ausgeführt als LED-Leuchten Sputnik Compact
Lauflichtanlage Commander SC zur Absicherung auf Verkehrsflächen
Umfeldbeleuchtungen ZoneLight auf beiden Fahrzeugseiten sowie im Heck

Die Finanzierung
In Gloggnitz gab es HalbeHalbe. 50% der Kosten (abzüglich Förderung und Refundierung der Mehrwertsteuer zu gleichen Teilen) übernahmen die Stadtgemeinde und die Feuerwehr.

Auch in Loipersbach wurden die Kosten geteilt, die Rückerstattung der Mehrwertsteuer wird auch hier auf den jeweiligen geleisteten Finanzierungsanteil von Feuerwehr und Gemeinde aufgeteilt.
Die Fahrzeugförderung wird vom Anteil der Florianis abgezogen.

Fahrerausbildung
In Loipersbach hat die Ausbildung für die 5,5 Tonnen-Lenkberechtigung bereits begonnen. In Gloggnitz ist diese aktuell in der Umsetzung.

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